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Echtzeit jetzt?

Im Folgenden gehe ich davon aus, das die grundsätzliche Idee ein interaktives Werkzeug zur internen Kommunikation keiner Diskussion bedarf. Nachdem Slack vor einigen Jahren sehr populär wurde und alle - die bis dato einen grossen Bogen um Jabber und irc gemacht haben - auf einmal ein Instant Messaging haben wollten - und es gerade en vogue wird sich über die ständigen Unterbrechungen (“Interrupts”) zu beschwerden, möchte ich diese Betrachtung aussen vor lassen.

Für die folgenden Überlegungen gilt auch, dass Forecasts in unserer Branche auf max 24 Monate ausgelegt sein können, alles weitere wäre unseriös. ;)

Ich will die Möglichkeit haben - neben E-Mail (was für mich kein Echtzeitwerkzeug ist, sondern die klassische, asynchrone Form der Bürokommunikation) und dem (häufig als recht invasiv wahrgenommenem) Telefon einen Mittelweg zu gehen und jemanden ‘mal eben was zu fragen’, ohne so aufdringlich wie ein Telefonanruf zu sein.

In der Basisannahme das dies gesetzt ist - also klar ist: wir wollen ein Bedürfnis stillen geht es an die Werkzeugwahl. Im Fokus steht das Bedürfnis sich textuell auszutauschen. Video/Voice-Phonie ist sekundär, aber durchaus etwas, was man mitbetrachten kann.

Kandidaten

In meiner beruflichen Karriere hab ich dieses Bedürfnis bisher via: Internet Relay Chat (irc), silc (verschlüsselte Variante von irc), XMPP (häufig als Jabber bezeichnet) und Mattermost erledigt. Aus verschiedenen Projekten kenne ich noch Slack und natürlich Skype.

Ich kann also aus erster Hand folgende Kandidaten bewerten:

Desweiteren hab ich an der einen oder anderen Stelle zumindest Berührung mit Rocket.Chat gehabt. Als weiteren Kandidaten kann man noch zulip in die Runde werfen - hierzu fehlen mir jedoch Erfahrungen aus erster Hand.

Enormer Vorteil von den “neuen” Varianten (Slack, Mattermost et al) ist die Integration oder besser gesagt das Vorhandensein von von mobilen Clients. Selbst XMPP ist mobil auf dem Smartphone nur bedingt nutzbar. Bei den mobilen Clients ist XMPP primär ein Werkzeug für die Zielgruppe, welche auch ansonsten mit allen anderen Werkzeugen mobil kein Problem hat: technisch-versiertes Betriebspersonal. (Stichwort: irc vom Palm III aus ;)

Hier durchzieht klassischerweise ein Trennlinie das Unternehmen. Das Adminteam ist im irc und Marketing hat gemeinsame WhatsApp Gruppen mit dem Vertrieb. (Bewusst jetzt die Datenschutz-Thematik erstmal noch aussen vor gelassen) - Usability-technisch sind Slack, Mattermost und zb. Rocket.Chat durchaus sehr vorzeigbar.

Silos?

Ein paar kurze Worte zu Datensilos. In der Betrachtung und Auswahl von Applikationen und insbesondere bei Cloud-hosted vs. On-Premises wird gerne das Stichwort ‘Datensilos’ gebracht. Das hier on-premises, open source Anwendungen die Nase vorn haben ist klar - was aber nicht bedeutet, dass man bei OSS Anwendungen problemlos die Daten von einer Lösung zur nächsten migrieren kann. Machbar ist alles, aber immer: zu welchem Preis.

On-Premises vs. Cloud-hosted

Für die firmen-interne Kommunikation kommt - meiner Meinung nach - nur etwas in Frage, was komplett in eigener Hand liegt. Dieser Kommunikationsweg kann und soll dafür benutzt werden, das man sich mal eben “wie auf dem Flur” austauscht, bedeutet das auch sensitive Dinge besprochen werden oder man mal eben zur Durchsicht einen Vertrag o.ä. übermittelt. Nicht erst mit der kommenden DSGVO ist dies nicht so toll, wenn das alles über eine Plattform läuft, die man selbst nicht im Griff hat.

Damit sind Skype, Skype for Business und auch Slack aus der Betrachtung raus. IRC und silc fallen usability-technisch raus und bieten auch keinerlei Funktionen um zb. ein Dokument einer Gruppe von Leuten zu schicken. Mittels DCC geht noch der Dateiaustausch zwischen zwei Personen.

Die Qual der Wahl

Bleiben noch Jabber, Mattermost und Rocket.Chat. Jabber fällt raus da nur bedingt mit Smartphones praktikabel nutzbar. Hier divergieren die Meinungen durchaus auseinander - was jedoch auffällt: nur technisch versierte Anwender finden Jabber auf mobilen Endgeräten nutzbar ;) (s.o.) Weitere Funktionen die sich mittels XMPP/Jaber abdecken lassen, die aber haeufig eine Frage des verwendeten Clients sind und wo sich ein aufeinander abgestimmtes Ecosystem mit seinen Vorteilen auftrumpfen kann, sind:

  • Multi-User Channel (sogenannte MUCs)
  • Teilen von Dateien mit mehreren Benutzern, einer Gruppe oder einem Raum
  • Formatierung von Inhalten (zb. Code-Bloecken)
  • Anheften / Hervorheben von Posts

Technisch unterscheiden sich Mattermost und Rocket.Chat nur bedingt, beide haben umfangreiche Feature-Sets, bieten gute Mobile-Apps und können an Unternehmensdienste (ActiveDirectory, LDAP) gekoppelt werden und mit Integrationen (Webhooks und ähnliches versehen werden). Als direkter On-Premises Alternative zu Slack bietet Mattermost diverse “Slack-kompatible”-Optionen.

Mattermost

Mattermost zeichnet sich von Rocket.Chat davon ab, das die für Unternehmen spannende Funktionen in der E10 bzw. in der E20 Variante verfügbar sind und diese Varianten Geld kosten (Also: Open Core). Damit verfolgt Mattermost eine andere Strategie als Rocket.Chat - als kommerzielles Produkt etabliert sich Mattermost in diesem Markt gerade, etwas was die Investoren von Mattermost freuen wird.

Rocket.Chat bietet kommerziellen Support - alle Features gibt es frei erhältlich. Wenn man Support haben möchte ist Rocket.Chat dann aber die Option wo man initial erstmal tiefer in die Tasche greifen darf.

Die Roadmap verspricht noch einiges an Funktionen für den “Enterprise”-Markt. Mattermost hat einen sehr regelmässigen Release-Zyklus (1 Release/Monat. Schema is X.Y.Z, monatlich wird Y inkrementiert. Partielle Releases (Z) werden bei Bedarf häufiger gemacht), es tauchen in den Releases weiterhin coole neue Funktionen auf und auch die Community rund um Mattermost ist lebendig und aktiv.

Voice/Video-Phonie?

Bei dem WebRTC-Plugin direkt von Mattermost scheint sich aktuell weniger zu tun - hier baue ich gerade darauf, das sich aus dem WebMeetings Plugin von Kopano etwas Gutes entwickelt.

Zulip?

Als weiterer Spieler auf dem Feld wurde mir Zulip von einem Freund genannt - Zulip ist jedoch, entwicklungstechnisch, noch eher am Anfang und für meine Entscheidungsfindung möchte ich gerne ein Werkzeug haben, welches jetzt meine Anforderungen komplett erfüllt und mich die nächsten 24 Monate damit arbeiten lässt. In 22 Monaten kann ich dann erneut in die Betrachtungsweise gehen.

Fazit

Wenn ich heute die Entscheidung für die nächsten 24 Monate fälle: Mattermost!

Weitere Betrachtungen

Ein guter Freund von mir hat auf seinem Blog das ganze auch betrachtet: ich mattermoste jetzt

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